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Wie auch im letzten Jahr soll es an dieser Stelle wieder um meine eigene Meinung zu den Konzerten gehen. Ich vergebe dafür Sterne.
An dieser Stelle sei gesagt, dass diese nicht die Qualität der Konzerte bzw. der Musiker darstellen, sondern lediglich die Übereinstimmung mit meinem Musikgeschmack..
1. Beatles Goes Baroque 
Die zwei B’s: eine Musikepoche und eine Gruppe, die doch schon ihre Zeit auch irgendwie selber prägte
. Wie bringt man aber nun zwei Richtungen zusammen, die eigentlich gar nicht zusammengehören? In
diesem Konzert wurden bekannte Lieder der Beatles streng nach den Regeln des Barocks
umgeschrieben. Es war ein Hörgenuss der eigenen Art. Zunächst einmal das in Quedlinburg bereits
bekannte und geschätzte Orchester aus Halle unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Gottfried Biller,
die in vielen Stunden Übungsarbeit (wie vor allem die Streicher verrieten, konnte man diese Sätze nicht
wie gewohnt halb vom Blatt spielen oder mit nur ein-zwei Tagen Vorbereitungszeit einstudieren) diese
Sätze zu gehör brachten. Unwissend ins Konzert gesetzt hätte man perfekte Barockmusik vernommen
und keinen Zweifel der zeitlichen Herkunft hegen können. Aber mit genauem Ohr und Wissen um das
Thema ließen sich die Beatles-Lieder heraushören. So hatte man (ganz populär formuliert) eigentlich
zwei Konzerte in einem: ein “klassisches” und eins mit “Evergreens”. Die Symbiose war einfach gut
gewesen, was man nicht zuletzt an einigen “Zaungästen” festmachen konnte, die zufällig vor dem
Hauptportal vorbeikamen und den Klängen dann doch einige Zeit lauschten.
Big Band in Concert
Was bringt ein ehemaliger Quedlinburger aus seiner Studienzeit mit? Freunde. 38 an Zahl brachte Martin
Schmidt von der TU Dresden mit. Und jene 39 Musiker bildeten die “TU Big Band Dresden e.V.” die den
11. Juli beim Musiksommer gestalteten. Choräle im BigBandSound war der Anspruch gewesen, denen
sich die jungen Musiker verschrieben hatten, und den sie auch erfüllten. Getragene Choräle und leichte
rhythmisch-dominante BigBand-Klänge - kann das passen? Es passt nicht, wenn man einfach die Noten
an die Bläser weitergibt, es passt jedoch, wenn man die Melodien neu erfindet. Und so wurde nicht
etwas nachgespielt, sondern auf eigene Art und Weise neu interpretiert. Melodie und Satz blieben bei
dieser Neuinterpretation größtenteils erhalten, jedoch die Spielweise und Instrumentenverteilung neu
definiert. Herausgekommen war ein Konzert über etwa anderthalb Stunden, deren zwei Gesichter man
ständig neu entdecken konnte. Unbedarft in das Konzert hineingehört vermochte man nur gut gespielte
BigBand-Klänge zu vernehmen. Den Melodien folgend jedoch entdeckte man bekannte Choräle. So war
- jedenfalls ich - stets im Wechsel zwischen mitsingbaren Chorälen und dem Schwung von vielen
Blasinstrumenten. Keine Verschmelzung, aber keine zwei Dinge waren zu hören. Vermochte das eine
Ohr was anderes zu hören als das andere, war es doch die gleiche Musik. Eigentlich fast
unbeschreiblich, wie die Musiker die Zuhörer begeistert unterhielten.
Harmonia Mundi - Innenwelten-Außenwelten
Camerata Köln feierte 30jähriges Bestehen, und auch in diesem Jahr spielten sie beim Quedlinburger
Musiksommer auf. Das Besondere an diesem Konzert war, dass zum ersten Mal seit der Sanierung der
Krypta wieder in derselben ein Konzert stattfand. Und so war das Interesse so groß, dass es an der
Abendkasse nur noch hieß “ausverkauft - kein freier Platz mehr”. Mit nun elektrischem Licht (da wie früher
die Beleuchtung durch Kerzen nicht mehr erlaubt ist) und trotzdem besonderer Atmosphäre wurde das
zweigesichtige Konzert gestaltet. Johann Sebastian Bach bildete den (klassischen) Rahmen und
Karlheinz Stockhausen mit seinen 12 Tierkreiszeichen die (moderne) Ergänzung. Dass diese Musik
“modern experimentell” nicht einfach war, belegten auch die hitzigen Diskussionen während der Pause
über die Musik von Stockhausen. Andere hingegen ließen sich von Sabine Bauer ihr wundervoll
gestaltetes Cembalo erklären und demonstrieren. Dieses Konzert - ein bestes Beispiel für “cross-over”
in der Musik - und damit eine Geschmacksfrage.
Abschlusskonzert - Chorsinfonik
Das Abschlusskonzert lässt den Zuhörer immer auf etwas besonderes warten, wird es doch in den letzten Jahren fast schon “traditionell” vom Quedlinburger Oratorienchor und dem Kammerorchester musica juventa aus Halle (Saale) gestaltet. Doch diesmal wollte man noch etwas besonderes hinzufügen:
das Konzert für Doppelklavier. Ein Klavier kennt man ja in der Stiftskirche, an ein Doppelklavier-Konzert
mögen sich vielleicht einige noch erinnern - aber zwei Flügel mit einem Orchester und einem großen
Chor dahinter wird wohl doch kaum jemand bereits in der altehrwürdigen Kirche erlebt haben. (Und wenn
doch, ich bin für Hinweise dankbar, leb ich doch noch nicht so lange, als dass ich alle Musiksommer
erleben durfte.) Und so interessant es für den Zuhörer als Anblick vor dem Konzert war, so interessant
gestaltete sich auch das Konzert. Das filigrane Spiel der beiden Pianisten auf der einen Seite, das
musikgewaltige Zusammenspiel von Orchester und Chor auf der anderen Seite - es mag für jeden was
dabei gewesen sein. Es war diesmal nicht das durch und durch stimmgewaltige Konzert wie in den
letzten Jahren, dafür war die Feinheit und die musikalische Abstimmung ein gelungener Ausgleich. Und
die kleinen Umbaupausen waren eine gute Möglichkeit, das Gehörte zu verarbeiten und sich auf das nächste Stück vorzubereiten.
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